Ein paar engagierte Personen mit kirchlichem Hintergrund gründeten Ende des 19. Jahrhunderts den „freiwilliger Armenverein“, da die Stadt Winterthur damals zu wenig finanzielle und personelle Ressourcen aufbringen konnte, hilfsbedürftige und verarmte Familien und vernachlässigte oder misshandelte Kinder nachhaltig zu schützen bzw. zu unterstützen.

Die Ursachen der Schwierigkeiten innerhalb Familien haben sich im Laufe der Zeit zum Teil verändert, die Nöte und das Leiden innerhalb vieler Familien sind aber auch heute noch vorhanden und gross. Physischer und psychischer Missbrauch von Familienmitgliedern, lang anhaltende Krankheit eines Elternteils, Krieg (Flucht aus dem Heimatland), Drogen- und Alkoholprobleme, strafrechtliche Konflikte (Gefängnis) etc. können zu unüberwindbaren Hürden im Familienalltag werden. Und genau dieser Unterstützung zur Bewältigung  von Hürden im Leben von Familien und Kindern hat sich der Verein Familien- und Jugendhilfe Winterthur in seiner bald 150jährigen Geschichte mit grossem Engagement und Herzblut bis heute verschrieben. Er hat Nöte und (strukturelle) Missstände von Kindern und in Familien nicht nur erkannt, sondern – durch oftmals pionierhaftes Handeln- auch versucht, diese nachhaltig abzubauen.

Bis zum heutigen Zeitpunkt stehen für uns der Schutz und das Wohlergehen von Kindern und deren Familien im Zentrum unserer Tätigkeiten. Wir verstehen uns auch als Partner für die öffentliche Hand und für soziale Institutionen.

Unser Team ist sehr gut ausgebildet und besteht aus Fachpersonen aus den Bereichen Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Psychologie sowie aus engagierten und speziell geschulten Laienpersonen, welche in kontinuierlichem Austausch mit unserem Fachteam stehen.

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Vorstand und Team

Vorstand

Michael Neidhart, lic. iur., Zürich, Präsident
Verena Bachmann, Sozialarbeiterin FH, Winterthur,  Aktuarin
Andrea Bosshard,  Fachfrau Finanzen und Controlling, Bülach, Quästorin
Ueli Sutter, Immobilien-Treuhänder, Wiesendangen, Anlageverantwortlicher
Jürg Bettoni, Rechtsanwalt, lic. iur., Henggart, Ombudsstelle
Hans Jörg Kuhn, lic. phil. Fachpsychologe FSP für Kinder- und Jugendpsychologie und Psychotherapie, Oberstammheim,
Mogens Nielsen,  Geschäftsleiter SOMOSA, Winterthur
Ursula Reinhardt, Sozialarbeiterin FH, Winterthur
Renate Schäffer, Dr. med.,  Fachärztin Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie FMH, Winterthur
Karin Schelldorfer, Sozialpädagogin FH, Heimleiterin, Winterthur

Geschäftsleitung

Barbara Sutter, lic.phil.I
Franziska Weder, lic.phil.I

Sozialpädagogische Familienbegleitung (SPF)

Regula Gilg, Dipl. Sozialpädagogin, Koordinatorin
langjährige Erfahrung in der sozialpädagogischen Familienbegleitung
Jugendcoaching
Dipl. Systemtherapeutin, ZSB Bern
Dipl. Marte Meo Therpaeutin, Eindhoeven Holland
NDK Praxisausbildnerin
NDK Teamleitung
Sprachen: Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Französisch

Tschong-Gil Kummert, Psychologe lic. phil.
Begleitung von Familien mit Besuchsrechtthematik
Jugendwohngruppenleiter
mehrjährige Arbeit als Psychologe mit Kindern von 4 bis 15 Jahren in brasilianischem Tagesheim
Sprachen: Deutsch, Englisch, Portugiesisch, Französisch, Spanisch, Koreanisch

Yvonne Geiger, Sozialpädagogin HF
Begleitung und Betreuung junger Erwachsener mit Mehrfachbeeinträchtigungen
Jugendcoaching
Aufbau und Leitung von Projekten in der ausserschulischen Betreuung
Kinder-, Jugend- und Elternberatung (Pro Juventute)
Weiterbildung Familienrat
Weiterbildung SIT (Systemische Interaktionstherapie und Beratung)
Weiterbildung SVEB 1
Weiterbildung ADS Coach i.A.
Sprachen: Deutsch, Französisch, Englisch

Marleina Rüegg, Sozialpädagogin HF
langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen
Weiterbildungen im Bereich systemischer Beratung und Begleitung
NDK Praxisausbildnerin
Sprachen: Deutsch

Bettina Conrad, Sozialarbeiterin FH
Jugendarbeiterin
Erfahrung Sozial- und Vormundschaftsbehörde
Waldspielgruppenleiterin
Präsidentin Familienverein
Sprachen: Deutsch, Italienisch, Englisch

Rita Parpan, Sozialpädagogin FH, Einzelbegleitungen
Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit einer Behinderung und als Spielgruppenleiterin
CAS Kinder und Jugendhilfe – Fachliche Grundlagen und Konzepte
Sprachen: Deutsch, Italienisch, Englisch, Französisch

BBT

Rita Parpan, Koordinatorin und Treff-Leiterin
Katja Stierlin, Treff-Leiterin
Debora Keller, Treff-Leiterin

 

SOS-Platzierungen und Patenschaften

Renate Diener, Sozialarbeiterin FH, Koordinatorin

Silvia Brunner, Begleitperson
langjährige Erfahrung im Pflegekinderwesen
Pekip-Gruppenleiterin
Mütterberaterin
Pflegefachfrau mit Schwerpunkt Kind

Marion Kern, Begleitperson

 

…. und zahlreiche geschulte Laienmitarbeitende


Geschichte seit 1870

1870 Konstituierende Versammlung des freiwilligen Armenvereins Winterthur zur Unterstützung bedürftiger Menschen.
1914 Gründung der „Zentralstelle für Unterstützungen“.
1917 Umwandlung in die Freiwillige und Einwohnerarmenpflege Winterthur mit teilweise amtlichem Charakter.
1920 Eröffnung eines Kleinkinderheimes an der Langgasse
1922 Anpassung der Statuten im Hinblick auf die Eingemeindung der Vororte mit Schaffung eines Zentralvorstandes und der Sektionen.
1929 Neuordnung des Armenwesens der Stadt Winterthur: Das neue Armengesetz führt die amtliche Armenhilfe ein. Dies führt zu einer entsprechend modifizierten Tätigkeit des Vereins und Aufgabe des Kinderheimes an der Langgasse.
1930 Anpassung der Statuten an die neue Situation; der Verein heisst nun Verein für freie Hilfe Winterthur (Freiwillige Armenpflege). Die einzelnen Sektionen besorgen die Unterstützungstätigkeit weitgehend selbständig und werden von Pfarrern geleitet.
1947 Inbetriebnahme des Kinderheims Büel unter der Führung und finanziellen Verantwortung des Vereins für freie Hilfe. Schaffung einer Heimkommission.
1963 Die Aktion Jugendhilfe wird unter Beizug der Freien Hilfe und mit deren finanziellen Unterstützung gegründet. Innerhalb von zwei Jahren wurden 382 freiwillige Mitarbeitende, davon ein Drittel Männer, ausgebildet.
„Es war im Jahr 1963 als Vertreter der Jugendhilfe an den Verein für Freie Hilfe gelangten und um Unterstützung baten. Damals bestand eine eigentliche Notsituation, die zum Handeln aufrief. Es wurde befürchtet, dass sich die Jugendunruhen von Zürich auf unsere Region ausdehnen könnten. Die klassischen Heime waren überfüllt, und die heute bekannten Angebote vielschichtiger Familienunterbringungen gab es noch nicht.So ergriffen Leute aus der Fürsorge, wie Jugendsekretariat, Amtsvormundschaft, Gewerbeschule und Frauensekretariat die Initiative, eine Laienhilfe zu organisieren. Die Laien sollten vor allem viel Zeit für Betreuung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen aufwenden können. Man dachte vorwiegend an Freizeitbegleitung und an vorübergehende familiäre Aufnahme in Notsituationen.Die Initiative ging von der Idee aus, dass den Laienmitarbeitenden eine gute Einführung und eine gewisse Ausbildung angeboten werden sollte. Auch sollte ihr Einsatz seriös begleitet werden. Neben einer persönlichen Beratung hätten somit auch Weiterbildungstage und regelmässige Problembesprechungen stattzufinden. (…).Die ersten Erfahrungen (mit dem neuen Angebot, Anm. d. V.)  waren sehr ermutigend. Die Laienhelfer erfüllten ihre Aufgaben mit grossem Engagement und enormem Einsatz. Das seitherige Bestehen des Angebotes zeigt, dass die Idee eingeschlagen hatte. (…).Unsere Erfahrungen zeigen, dass der Laie ganz spezifische Einsatzmittel hat – er hat eine eigene  Kompetenz, die sich von jener eines professionellen Sozialhelfers unterscheidet. Aus diesem Grundbedürfnis zu helfen erleben wir beim Jugendhelfer ein echtes Geben und ein spontanes sich Einsetzen. „Helfen hilft“ heisst ein englisches Sprichwort. Warme Anteilnahme und Freundlichkeit, hohes Einfühlungsvermögen und ein gewisser Frohsinn, Glaube an die Menschen und Sympathie, Begeisterungsfähigkeit und Vertrauen sind einige Stichworte von Qualitäten, die den Laienhelfer im speziellen auszeichnen. Dieses Helferpotential kann zwischenmenschlich vieles in Bewegung bringen.Die Unterstützung der Aktion Jugendhilfe liegt ganz im Sinne der Ziele des Vereins für Freie Hilfe. Die Leiter der Aktion sind dem Verein für dessen Mitwirkung durch all die vielen Jahre sehr dankbar.“(W. Stauss, Jugendsekretär, zit. aus: 60. Jahresbericht des Vereins für Freie Hilfe Winterthur, 1988).
1973 Um die Organisation zu vereinfachen, werden neue Statuten verfasst. Die Sektionsvorstände mir ihren Sekretariaten werden aufgehoben. Im Vorstand sind weiterhin sämtliche Stadtkreise vertreten. Die Verwaltungskosten werden wesentlich reduziert.
1984 Das Kinderheim muss aufgehoben werden, da die Stadt die Defizitgarantie nicht mehr verlängert (Konzentration auf das Jugendheim Oberwinterthur). Dank einer neuen Unterstützungskommission innerhalb des Vorstandes werden eingehende Gesuche speditiv behandelt.
1992 Neukonzipierung der Aktion Jugendhilfe und Umbenennung in Freiwillige Jugendhilfe.
1998 Zusammenschluss der beiden Vereine Freie Hilfe und Freiwillige Jugendhilfe unter dem neuen Namen Verein Familien- und Jugendhilfe Winterthur. Der Verein bezweckt die soziale Hilfe an Familien, Kindern und Jugendlichen in der Region Winterthur. Insbesondere leistet er finanzielle Beiträge an soziale Institutionen und unterstützt bedürftige Einzelpersonen. Der Verein führt bei Bedarf allein oder zusammen mit anderen Institutionen soziale Einrichtungen. Der Verein verfolgt keine kommerziellen Zwecke und erstrebt keinen Gewinn.
1999 Ein gemeinsames Projekt mit der Hülfsgesellschaft Winterthur wird lanciert, um Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen auf dem Weg ins Erwachsenenleben begleiten zu können: die teilbetreute Jugendwohngruppe Eichgutstrasse. Für dieses Projekt braucht der Verein erstmals auch professionelles Personal. Der Schwerpunkt der Vereinstätigkeit bleibt aber die Arbeit mit freiwilligen Helferinnen und Helfern.

Vereinstätigkeit:

  • Wochenend- und Notfallplatzierungen
  • Begleiteter Besuchstreff
  • Begleitungen, Unterstützung und Entlastung von alleinstehenden Müttern und Familien in Überforderungssituationen
  • Patenschaften für drogenabhängige Mütter/Eltern von Neugeborenen
  • Kurse und Weiterbildung für die freiwilligen Helfer und Helferinnen
2006 In der Folge der Fusion der beiden Jugendsekretariate Winterthur Stadt und Winterthur-Land übernimmt der Verein zwei Fachmitarbeiterinnen der sozialpädagogischen Familienbegleitung. Die Vereinstätigkeit beschränkt sich damit nicht mehr auf die Arbeit mit Laien, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem kleineren Unternehmen im Bereich der Familien- und Jugendhilfe. Hauptauftraggeber ist das neue Jugendsekretariat Winterthur.

Die Aufgaben des Vereins lassen sich in folgende Fachbereiche unterteilen:

  • Sozialpädagogische Familienbegleitung
  • Begleitetes Jugendwohnen
  • Begleitetes Besuchsrecht (BBT und Einzelbegleitungen)
  • Notfallplatzierungen von Kindern und Jugendlichen
2008 Alle Angebote erfreuen sich einer grossen Nachfrage und werden fortlaufend ausgebaut. Im Bereich des begleiteten Jugendwohnens führt der Kanton Zürich eine Bewilligungs- und Aufsichtspflicht ein. Das Konzept des Vereins wird gutgeheissen, die Betriebsbewilligung erteilt. Weiterhin bearbeitet auch die Unterstützungskommission des Vorstandes Gesuche für finanzielle Beiträge an Menschen in Not.

Das gesamte Engagement wird nun durch eigene Einnahmen sowie über Mitgliederbeiträge und Spenden getragen.

2013 Zusammenarbeit mit dem Winterthurer Präventionsprojekt wikip und der Pflegekinderaktion-Zürich mit dem Ziel, ein Unterstützungsangebot für Kinder psychisch kranker Eltern zu entwickeln.

Der Kanton Zürich führt eine Bewilligungs- und Aufsichtspflicht für Vermittlungsorganisationen von (Notfall-) Familienplatzierungen ein. Das Konzept des Vereins wird gutgeheissen und die Bewilligung 2014 erteilt.

2014 Schliessung des begleiteten Jugendwohnens aufgrund veränderter konzeptioneller und personeller Ansprüche.
2015
  • Start des Projektes „Umbrella – Paten für Kinder psychisch kranker Eltern“.
  • Ausbau des Begleiteten Besuchstreffs.